Montag, 24. November 2014

Mach' langsam!

Schnell noch was essen.
Schnell noch die Katze füttern.
Schnell noch zum Einkaufen fahren.
Schnell noch die E-Mails checken.
Schnell noch jemanden anrufen.
Schnell noch die Wäsche aufhängen.
Schnell noch die Reifen wechseln.
Schnell noch die Kinder ins Bett bringen.

Schnell noch... So geht das oft den ganzen Tag. Wohl dem, dem diese Redewendung fremd ist.

Eine Freundin - leider haben wir uns in den letzten Jahren aus den Augen verloren - hat immer gesagt (oder sagt es noch heute) "Mach' langsam!", wenn wieder mal Eile geboten war. Das klang immer so schön beruhigend. Danke. Jetzt erwische ich mich manchmal dabei, wie ich mit diesen zwei Worten eilige Zeitgenossen zu bremsen und beruhigen versuche.

Wie kommt es nur, dass alles schnell gehen muss? Was gewinnen wir, wenn wir uns beeilen? Ein Großteil meines Lebens bestand bzw. besteht noch immer darin, etwas schnell machen zu müssen oder schnell machen zu wollen. Immer öfter frage ich mich jedoch mittlerweile, wozu?

Was machen wir mit der gewonnenen Zeit? Falls wir tatsächlich durchs "Schnellmachen" Zeit gut machen, denn häufig unterlaufen uns Fehler durch die Eile, deren Ausmerzen, dann erst recht Zeit kostet, z.B. schnell was essen, um dabei das frische Hemd/Bluse voll zu kleckern oder schlimmer noch, sich auf Dauer damit ein krankes Verdauungssystem ran zu züchten.  
Schnell einkaufen, dabei das Wichtigste vergessen. Schnell einen lieben Freund/Freundin anrufen und diese Menschen damit vor den Kopf stoßen, weil sie sich zu Recht vernachlässigt fühlen.
Das ist ein Aspekt, warum man sich mehr Zeit nehmen sollte, die Dinge achtsamer tun sollte: es unterlaufen uns weniger Missgeschicke, Malheure oder Fehler.

Ja, und womit verbringen wir die Zeit, die wir durch Eile "gewinnen"? Wir verplempern sie vor dem Fernseher und schauen uns dümmliche Sendungen an. Oder wir hocken vor dem Computer und lesen langweilige Blogs (wie diesen?). Haben wir wirklich etwas gewonnen, wenn wir völlig erschöpft wegen eines gehetzten Tagesablaufes dann vor dem Fernseher einschlafen? Oder zu müde sind, um sich mit unseren Lieben zu beschäftigen.

Nein, Zeit kann man weder einsparen noch gewinnen. Zeit ist. Sie lässt sich nicht horten und bringt
auch keine Zeitzinsen, wenn man sie "spart". Sie vergeht - egal wie. Und je bewusster, das heißt nun mal eher langsam, wir eine Tätigkeit ausführen - ob küssen oder kochen, schreiben oder schrubben - wir haben mehr davon. Anstatt Routinetätigkeiten schnell hinter sich bringen zu wollen, wie bspw. Bügeln, können wir sie langsam und bedächtig erledigen, sie als Möglichkeit des Ausruhens, ja gar als Meditation sehen und erleben. Mir ist aufgefallen, dass ich weniger müde bin, wenn ich meine Arbeit langsam, konzentriert und achtsam erledige. Was erschöpft ist nicht die Arbeit an und für sich, sondern, der Zeitdruck, der meistens damit verbunden ist.

Auch die Zeit, die wir mit lästigen oder langweiligen Dingen verbringen, ist wertvolle Lebenszeit und Lebenszeit sollten wir nicht schnell hinter uns bringen wollen. Jede Minute unseres Lebens ist wertvoll, weil unwiederbringlich und wir sollten uns dagegen wehren, dass uns jemand oder wir uns selbst unter Zeitdruck setzen.

Wenn wir etwas richtig gut machen möchten, dann müssen wir uns Zeit nehmen und wenn wir etwas genießen wollen, dann brauchen wir Zeit dafür. Schnelles Kochen ergibt kein Festmahl und schnelles Essen ist kein Genuss.

Mir wird das am Wochenende oder im Urlaub ganz besonders deutlich, wenn ich mir für alles so richtig schön Zeit lassen kann. Das macht für mich Freiheit und Freizeit aus: Bummeln, nicht auf die Uhr schauen, keiner (be-) drängt mich. Meinen Rhythmus leben.

Trödeln ist ein Stück Lebensqualität!

Über mich


Mein Motto:
Es macht nichts,
wenn du
ab und zu
stolperst.
Hauptsache,
du bewegst dich.
(von Bibi Hallas)
 
... und wenn man fällt: immer wieder aufstehen!
 
Ich bin schon oft gestolpert und im Grunde hat mich dieses "Stolpern" auf neue Ideen und hin zu neuen Erfahrungen gebracht. Es hat mich zu der Frau gemacht, die ich heute bin.