Samstag, 26. Juli 2014

Steter Trofen feiert Geburtstag




Heute vor einem Jahr und einer Woche gab es den allerersten Beitrag von Steter Tropfen.

Inzwischen habe ich insgesamt 12 Posts verfasst und hatte dafür fast tausend Aufrufe.
Das ist ein guter Grund zu feiern, drum lasst es Blumen regnen!


Übrigens gibt es die ersten bzw. älteren Pots alle noch zum Lesen unter "Ältere Pots" -  keiner meiner Beiträge ist gelöscht, nur ein bißchen versteckt.



In Zukunft möchte ich öfter schreiben - ich habe so viele Gedanken, die ich mit meinen Lesern teilen möchte.

Was mir ein wenig fehlt, ist das Feedback.
Schreibt mir einen Kommentar oder eine E-Mail: kontakt@touch-skin-massagen.de (übrigens meine Homepage www.touch-skin-massagen.de ist auch lesenswert).

Ich grüße alle meine Leser und Leserinnen ganz herzlich und wünsche Euch ganz viele Glückstropfen, die stetig auf Euch niedertröpfeln!


 


 

 

Sonntag, 27. April 2014

Schlafen



Schön, dass wieder Frühling ist!
Es ist wärmer und die Tage werden länger.
Leider wurde auch wieder - obgleich schon zigmal von Medizinern und Wissenschaftlern der Nutzen widerlegt, der Schaden beklagt - unsere Uhr und somit unsere Gewohnheiten zwangsumgestellt. Diese eine Stunde weniger im Frühjahr versetzt unseren Körper in enormen Stress, weil ihm bis zum Herbst und bis zur nächsten Zeitumstellung eine Stunde fehlt, besser gesagt eine Stunde Schlaf fehlt. Denn wir arbeiten im Sommer ja nicht weniger, sind eher noch aktiver. Man beraubt uns einer Stunde Schlaf - für nichts und wieder nichts. Das ist fatal, denn Schlaf ist für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden unabdingbar.

Unser Körper und unser Geist brauchen Ruhe zum Regenerieren. Natürlicherweise bedingen sowohl Tag/Nacht-Rhythmus als auch die Jahreszeiten, die Auszeiten von allen Lebewesen (Pflanzen und Tieren). Pflanzen ruhen ohne Sonnenlicht, auch in der kalten/dunklen Jahreszeit. Tiere und Menschen sind ebenfalls diesen Rhythmen unterworfen, die einen mehr, die anderen weniger. Wir wissen von Insekten, aber auch von  höheren Tieren wie z.B. den Bären, dass sie Winterschlaf halten. Stoffwechsel und Körpertemperatur werden auf das gerade noch zum Überleben notwendige Maß gesenkt. Selbst nachtaktive Lebewesen unterliegen
einem Ruhe-/Aktiv-Rhythmus, nur dass sie eben im Hellen ausruhen. Rund-um-die-Uhr-aktive Wesen gibt es nicht. Der Organismus braucht Auszeiten, um zu wachsen, zu regenerieren, zu heilen, kurz: um all das "zu tun", wozu er im Wachzustand nicht kommt. Ohne Schlaf werden wir seelisch und körperlich krank.

In der meisten Zeit unserer menschlichen Vergangenheit mussten unsere Vorfahren (ebenso wie die Tiere) im Winter mit weniger Nahrung auskommen und waren aufgrund des Lichtmangels auch weniger aktiv. In den vielen Jahrtausenden ohne künstliche Lichtquelle waren bei Einbruch der Dunkelheit keine nennenswerten Aktivitäten mehr möglich. Alle Lebewesen dieses Planeten sind sowohl an die Kalt-Warm- als auch an die Hell-Dunkel-Rhythmen über Jahrtausende angepasst. Im Grunde völlig logisch, denn wir sind aus diesen Gegebenheiten entstanden, wie könnten wir also anders sein?

Dass wir nun seit gerade mal rund 100 Jahren (einer verhältnismäßig kurzen Zeit) in der Lage sind, Dunkelheit und damit den Tag/Nacht-Rhythmen zu ignorieren, spielt für unseren Organismus keine Rolle, seine Bedürfnisse sind die gleichen geblieben. Wir überfordern ihn maßlos, nicht nur mit den die Biorhythmen verachtenden zweimaligen Uhrumstellungen im Jahr, sondern auch mit Arbeitszeiten (z.B. Schicht- und Nachtarbeit, Jetlags u.ä.), die kaum Rücksicht auf die individuellen, genetisch festgelegten Schlaf-und Aktivzeiten legen.
Aber auch mit unseren freiwilligen Freizeit-Aktivitäten überfordern wir uns. Am Tag seine Freizeit aktiv zu gestalten, macht meistens Sinn und glücklich. Wir sind mittlerweile jedoch auch in Zeiten, in denen unser Körper auf Nichtstun programmiert ist, aktiv und quälen uns damit "hell"-wach zu bleiben. Ob nun der Körper um 23.00 Uhr im Fitnessstudio schwitzt und ausgepowert wird, oder unser Gehirn noch um 2.00 Uhr nachts mit nervenaufreibenden Krimis oder Computerspielen an- und aufgeregt wird, beides ist gleichermaßen kontraproduktiv, ja auf lange Sicht sogar schädlich, denn es widerspricht unserem biologischen Bedürfnis. Bei Dunkelheit ist unser Körper auf  Ruhe und Abschottung von Außenreizen programmiert.

Durch technischen Errungenschaften haben wir es geschafft, uns von den kosmischen Gegebenheiten zu emanzipieren - wir machen das Licht an, wenn es dunkel wird. Unsere Biologie ist aber die gleiche geblieben und damit abhängig von den Impulsen der Sonne. Folge der Ignoranz biologischen Grundbedürfnisse sind bestenfalls "nur" Schlafstörungen und/oder mangelnde Leistungsfähigkeit, schlimmstenfalls handfeste Krankheiten. Vielen von uns fehlt nicht nur ausreichend Schlaf, sondern auch einen geregelter Aktivitäts- und Ruhe-Rhythmus.

Angesichts der Fülle anregender Angebote, die uns Tag und Nacht umwerben, ist es sehr schwer, sich auszuklinken und ein gesundes Maß an Ruhe zu gönnen. Ich bin davon nicht frei, beginne meinen Tag sehr früh, um auch nach der Arbeit noch die Sonne genießen zu können und abends wird es oft sehr spät, weil ich dies und jenes noch erledigen möchte oder mich nicht von einem spannenden Buch trennen kann. Auch diesen Text habe ich teilweise zu Zeiten verfasst, in denen ich besser hätte schlafen sollen.
Wie oft sind es dann nicht mehr als 5 - 6 Stunden Schlaf pro Nacht während einer Arbeitswoche. Das ist für mich definitiv zu wenig und es macht sich u.a. durch Konzentrationsmangel, Gereiztheit, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Lustlosigkeit bemerkbar. Sicher gibt es auch Menschen, denen 5 Stunden Schlaf genügen, aber die meisten von uns brauchen eher 7 - 8 Stunden. Ganz zu schweigen von Kindern und Jugendlicher, die schon aufgrund ihres Wachstums viel mehr Schlaf brauchen und ihn wegen der technischen Verlockungen nicht mehr in ausreichendem Maße bekommen.

Wie sehr mir der Schlaf während der Woche fehlt, merke ich dann am Wochenende, wenn ich oftmals mehr als 10 Stunden schlafe. Vor nicht gar zu langer Zeit habe ich mich noch darüber geärgert, so viel Zeit mit Schlafen "zu vergeuden", längst hab ich eingesehen, dass diese Zeit nicht verschwendet, sondern sehr gut angelegt ist. Sogar lernen funktioniert besser, wenn wir unseren kleinen grauen Zellen reichlich Schlaf zum "speichern" gönnen. Das Gelernte kann sich nur dann "festsetzen", wenn das Gehirn frei von Außenreizen ist. Kinder wachsen im Schlaf und wir Erwachsenen regenerieren während wir schlafen, denn die Werkstatt aller Zellen arbeitet auf Hochtouren, während wir träumen.

Viele Menschen stehen aus den unterschiedlichsten Gründen derart unter Strom, dass sie chronische Schlafstörungen entwickelt haben und es ihnen auch nicht mehr möglich ist, am Wochenende oder im Urlaub durch- oder auszuschlafen.

Ich habe mir fest vorgenommen, auf eine "gesunde Schlafhygiene" zu achten, d.h. wenn ich früh aufstehen möchte, dann scheuche ich mich abends früh ins Bett. Ich achte darauf, nicht gravierend oft und grob meinen Schlafrhythmus zu stören, also möglichst zu den gleichen Zeiten ins Bett zu gehen und aufzustehen - egal ob Arbeitswoche oder Ferien. Das ist nicht immer möglich und ich habe festgestellt, dass mein Körper eher dazu tendiert zu wesentlich späteren Zeiten schlafen und
aufwachen zu wollen, als mein Tagesablauf das vorsieht.

Für mich hat sich jedoch gezeigt, dass es mir auf lange Sicht eher schadet, die genetisch festgelegten Bedürfnisse meines Körper zu ignorieren. Körper, Geist und Seele sind aufeinander angewiesen, daher sollten sie aufeinander Rücksicht nehmen und das Sagen hat unser Wille. Es sei denn, es werden uns - so wie bei der alljährlichen Zeitumstellung - noch zusätzlich von außen Arhythmien aufgezwängt. Wenn wir aber unseren Körper überfordern, dann dauert es nicht lange und unsere Seele hängt ebenfalls in den Seilen, ganz zu schweigen von unsrem Geist, der aufzugeben droht.

Gute Nacht und angenehme Ruh!

Sonntag, 16. März 2014

Ebbe und Flut

In meinem Beitrag "Regen" habe ich davon geschrieben, wie wichtig es ist, dass wir Veränderungen im Leben akzeptieren und uns mit ihnen arrangieren.
In "Ode an das Leben" ging es um Dankbarkeit als elementaren Bestandteil innerer Zufriedenheit. Sobald ich bewusst dankbar bin, für das, was ist, bin ich zufrieden.

Heute möchte ich darüber schreiben, warum es hilft zu akzeptieren, dass es kein Leben ohne Probleme gibt. Egal ob es die großen Katastrophen oder die kleineren Unannehmlichkeiten sind, es ist unmöglich, ihnen aus dem Weg zu gehen. Und manchmal ist es sogar so, dass sie sich häufen, gerade so, als ob Probleme andere Probleme wie Magnete anziehen würden. Dann hilft es auch  nicht, die rosarote Brille aufzusetzen oder gar die Augen davor zu verschließen. Klar kann ich auch mit offenen Augen stolpern, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich falle, erhöht sich drastisch, wenn ich die Augen zumache. Das Auto will nicht mehr fahren und die Waschmaschine streikt - dann hilft weder Wut noch Weinen, sondern nur die Reparatur.

Manchmal kommt es uns vor, als ob sich die ganze Welt gegen uns verschworen hätte. Allen anderen scheint es gut zu gehen, nur ich hab wieder mal den Schwarzen Peter gezogen. Aber das scheint nur so. Sieht man genauer hin, dann  haben erstens auch die anderen Menschen ihre Probleme und  zweitens gibt es für alles eine Ursache und die hat drittens oft gar nichts mit uns persönlich zu tun. Unfreundliche Mitmenschen haben vielleicht gerade selbst großen oder kleinen Kummer und technische Geräte halten nun mal nicht ewig - oft wird das sogar schon bei der Herstellung "miteingebaut" (Produkte die ewig halten bremsen den Umsatz eher aus - das sei nur am Rande bemerkt).

Alles kann dazu beitragen, das wir uns gestört fühlen, das Tiefdruckgebiet, das unsere Gartenparty ertränkt, die Mücke an der Wand oder ein klitzekleiner Virus, der unseren Körper durcheinander bringt. Letztlich hilft fluchen, weinen, schimpfen, die Decke über den Kopf ziehen nur kurzfristig. Auf lange Sicht kommen wir am besten zurecht, wenn wir es einfach so nehmen, wie es ist und uns nach einmal tiefdurchatmen eine Strategie zur Lösung überlegen. Die Mücke ist evtl. nur lästig, das kaputte Auto kann uns viel Geld kosten und der Virus beschert uns im besten Fall nur eine Woche
Schnupfen. Andere Katastrophen sind hartnäckiger und schwerer in den Griff zu kriegen. Aber immer hilft es, zu akzeptieren, dass Schwierigkeiten dazu gehören und wir wachsen und reifen mit jeder Niederlage, mit jeder Katastrophe. Diese Einsicht tröstet, besänftigt, beruhigt und macht den Kopf frei, um kreativ nach Lösungen zu suchen.

Wir sind nicht der Mittelunkt des Universums, auch wenn wir das oft so empfinden. Wir sind einfach nur Teil eines großen Ganzen und es trifft jeden von uns - das Glück genauso wie das Unglück. Schwierigkeiten kommen nicht, um uns zu ärgern - sie sind einfach nur da.

Dies sollte uns jedoch nicht schicksalsergeben oder fatalistisch werden lassen. Es gibt durchaus Dinge, die wir selbst in der Hand haben, die wir uns selbst zuzuschreiben haben.
Wer raucht, der züchtet sich sein Lungenkarzinom selbst und sollte nicht jammern, wie ungerecht das Schicksal ist.
Wer waghalsig Auto fährt, der erhöht selbst die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Unfall und ist nicht das Opfer höherer Gewalt.
Wer gedankenlos Süßigkeiten und Fastfood reinstopft, der ist nicht zufällig übergewichtig.
Wir haben Vieles selbst in der Hand, um es zu verhindern. Für das, was trotzdem schief läuft, dafür haben wir unsere Kreativität und unser Durchhaltevermögen.


Ich bin nicht frei von Fehlern und falschen Entscheidungen und sicherlich hab ich mir einiges an Unannehmlichkeiten selbst zuzuschreiben, aber eine gehörige Portion an Ärger ereignet sich einfach so - und seitdem ich das akzeptiert habe, lebe ich entspannter.

Und wie oft hab ich gemerkt, dass dieser Ausspruch von André 'Gide wirklich wahr ist:

"Wenn sich vor uns eine Tür schließt,
geht irgendwo eine andere wieder auf."

Bis bald, eure Mo!


Sonntag, 12. Januar 2014

Oasen



Weihnachten und Silvester in Israel - einerseits naheliegend, weil dort hat doch alles angefangen mit dem Kindlein in der Krippe usw., andererseits werden in Israel Weihnachten (und Silvester) gar nicht gefeiert. Jesus war zwar Jude, wird aber dort nicht als das angesehen, als was die Christen ihn sehen: Gottes Sohn, also auch kein Grund seine Geburt zu feiern.

Ich wollte vor allen Dingen Jerusalem kennenlernen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Letztlich war es nicht Jerusalem, die heilige Stadt, die mich faszinierte, auch nicht der landschaftlich beeindruckende See Genezareth, nicht Nazareth, auch nicht das Tote Meer, schon gar nicht Bethlehem (der Ort, den ich mein Leben lang mit Weihnachten in Verbindung gebracht habe) und es war nicht Tel Aviv, diese junge und quirlige Stadt am Mittelmeer - nichts davon wird mich dazu bringen, wieder nach Israel zu reisen.
Es war die Wüste, in die ich mich auf den ersten Blick verliebt habe. Wie eine Offenbarung: die Judäische Wüste, gleich "hinter" Jerusalem. Man fährt nur wenige Kilometer und ist in einer anderen Welt. Stille, weiß-beige Weite mit grünen Tupfern, Oasen, auch weil es einige Tage vorher geregnet hatte. Alle Sinne ruhen aus. Zeit sich zu erden. Wunderbar. Die Wüste eine Oase in einem Wust von Religionen, Kulturen und Politischen Querelen.

10 Tage Israel. Mit den romantischen Vorstellungen aus meiner Kindheit, den Geschichten aus dem Religionsunterricht, dem alljährlichen Weihnachtsspektakel, aber auch mit dem Wissen um den Holocaust, dem Halbwissen um den Nah-Ost-Konflikt im Gepäck bin ich kurz vor Heiligabend in Tel Aviv gelandet. Natürlich war mir klar, dass nichts so sein wird, wie ich es mir vorstelle und doch: Es war dann nochmal ganz anders. Weder romantisch noch feindselig. Anders allein schon das Wetter: In Jerusalem war es kalt. In der Wüste war es gar nicht heiß, sondern angenehm frühlingswarm. Ok, die Jahreszeit halt. Im Sommer wird es anders sein. Morgens um 6.30 Uhr schien bereits die Sonne (ich dachte, ich hätte verschlafen..), aber um 17.00 Uhr war es bereits stockfinster (wie zu Hause). Das Essen war nicht viel anders als daheim, nur Bier und Wein wesentlich teurer. Wer braucht schon Bier und Wein?

Obwohl ich am liebsten alleine verreise, war ich dieses Mal mit einer Reisegruppe unterwegs, musste mich somit dem straffen Zeitplan des Veranstalters unterordnen. Trotz Sehnsucht nach mehr Schlaf und weniger Informationen war es insgesamt ok, denn schon nach wenigen Tagen habe ich es genossen, nichts selbst organisieren zu müssen. Vieles von dem, was ich gesehen, erfahren und erlebt habe, hätte ich nicht alleine organisieren können. Der Nachteil: früh aufstehen, Schlafmangel, meinen Instinkt und meine Bedürfnisse unterdrücken, nichts auf eigenes Faust entdecken dürfen, immer dem Trott unseres Reiseleiters folgen - der es im Übrigen strikt untersagte, vor ihm her zu laufen. So sind ihm 16 Frauen und 2 Männer immer brav mit Abstand gefolgt, es hatte zuweilen etwas von einer Hammelherde. Und was dieser Mann alles wusste! Unfassbar. Trotz Interesse und Neugierde, hab ich mich hin und wieder bewusst ausgeklinkt, mir inhaltsleere Oasen in der Fülle der Informationsflut gesucht, z.B mit den zahlreichen Katzen gespielt. Wie sonst hätte ich all das geballte Wissen verdauen können?

Bewaffnete Soldaten sind präsent, Check-Points, es gibt viele davon, um die israelische Bevölkerung vor palästinensischen Extremisten zu schützen. Aber ich habe in den 10 Tagen meines Aufenthaltes keine Auseinandersetzungen erlebt, keine Feindseligkeiten gespürt. Glück gehabt? Oder ist unsere Sicht von Israel durch die Sensationsberichterstattung getrübt? Ist alles halb so schlimm mit den Selbstmordattentätern usw.? Naja, sonst wären die Kontrollen und bewaffneten Soldaten ja überflüssig. Ich habe mich jedoch nie bedroht gefühlt, auch nicht am Flughafen beim Abflug nach Frankfurt, trotz eingehender Befragung der israelischen Security und gefühlten 10 Kontrollen (es waren aber wohl nur 5, oder?). Es war lästig. Zuhause im Stau auf der Autobahn zu stehen ist auch lästig.
So what!

Es hat mich fasziniert, dass unser Reiseleiter, ein gebürtiger Israeli, Jude, uns als Christen erzogene und sozialisierte Menschen aus Deutschland (Österreich, Polen und Luxemburg) das Neue Testament erklärt und näher gebracht hat. Ein Jude liest die Bergpredigt. Wunderbar!
Ein Gottesdienst an Heiligabend in Jerusalem, an dem auch Juden teilnehmen, zwar wohl eher nur als interessierte Zuschauer, egal. Interesse ist der Anfang für Verständnis. Wunderbar!
Dann der Pilgermarsch um Mitternacht nach Bethlehem. Bethlehem, für uns der Inbegriff von Weihnachten - Ihr Kinderlein kommet, zur Krippe her kommet in Bethlehem Stall...Bethlehem in echt: Check-Point, eine hohe Mauer, Schmutz und Lärm einer südländischen Stadt. Es gab sogar einen riesigen kitschigen Weihnachtsbaum und natürlich die Geburtskirche. Aber eben "nur" eine Kirche. Für mich, eine Kirche wie jede andere auch. Gott hab ich bisher weder in einer Kirche, noch einem Tempel, einer Moschee oder einer Synagoge gefunden. Ich sehe Gott im Lächeln eines Babys, der Berührung eines mir lieben Menschen, in der Fülle der Natur oder in mir selbst, wenn ich glücklich bin.

Nazareth. Jesus von Nazareth. Es gibt eine Kirche zu Ehren Mutter Gottes. Auf dem Platz davor beten die Muslime und ermahnen die Christen, ihre religiösen Gefühle nicht zu verletzten. Jede Religion will sich behaupten, die einen mit lauten Glockengeläut, die anderen mit dem über Lautsprecher zum Gebet rufenden Muezzin. Warum muss der Glaube an Gott so laut sein? Ist nicht viel eher die Stille der Weg zu Gott? Toleranz ist kein leichtes Unterfangen, wenn man überzeugt ist, seine Auffassung sei die einzig richtige und man müsste alle anderen davon überzeugen. 
Zurück zu den Muslimen: Gott zeugt keinen Sohn. Es gibt nur einen Gott! Andererseits: diese katholische Kirche für Maria wurde von einem jüdischen Architekten konzipiert und von muslimischen Arbeitern errichtet. Wunderbar! Eine Oase der Zusammenarbeit in der Wüste des religiösen Wetteiferns.

Jerusalem. Wir werden ehrfürchtig, wenn wir diesen Namen hören. Alles ist irgendwie heilig in dieser Wüste der konkurrierenden Frömmigkeit. Jede Religion nimmt für sich in Anspruch die Wahre zu sein und jede beansprucht Jerusalem als ihre heilige Stadt. Alles ist heilig in dieser Stadt, sogar der 2stündige Stau vom Flughafen Tel Aviv in die Altstadt von Jerusalem. Man fährt übrigens nicht in die Stadt, man zieht hoch nach Jerusalem. Eine Stadt der Vielfalt und der Toleranz. Wo sonst backt ein muslimischer Bäcker das Brot koscher für gläubige Juden in einem christlichen Gebäude? Wunderbar! Eine Oase.


Nicht alle Juden sind religiös. Es gibt Menschen, die mit Religion nichts am Hut haben. sie leben eher sozialistisch im Kibbutz, machen die Wüste urbar, entwickeln Ideen, z.B. um Wasser zu sparen und pflanzen Bäume - in der Wüste. Ich habe großen Respekt vor diesen Menschen und wünsche ihnen viel Erfolg. Die Kibbutze sind Oasen in der Wüste, aber sie müssen sich durch hohe Zäune und aufwendige Sicherheitsvorkehrungen schützen vor - ja vor was? Vor Anschlägen, vor den wilden Tieren der Wüste? Schade. Oasen mit Stacheldraht drumherum.


Und es gibt die Beduinen, die schon seit Urzeiten mit den Unwägbarkeiten der Wüste zurecht kommen, indem sie sich anpassen, (demütig) das nehmen, was da ist. Aber ich hab vor den Zelten und Behausungen nicht nur Esel und Kamele, sondern auch Autos gesehen und  waren da nicht sogar Satellitenschüsseln? Anpassen eben. Warum auch nicht? Wir sind alle gleich in unserem Bedürfnis, es möglichst bequem zu haben. Wenn man selbst am Computer sitzt und Posts schreibt, sollte man von anderen Menschen nicht Einfachheit und Ursprünglichkeit erwarten.

Für mich war die Quintessenz dieser Reise der kulturellen, ethnischen und religiösen Vielfalt, dass es durchaus möglich ist, miteinander auszukommen, auch wenn man unterschiedliche Auffassungen hat, wie man Gott gerecht werden sollte. Ok, es gibt Stacheldraht und militärische Präsenz. Aber dabei geht es doch sicher schon lange nicht mehr um rein religiöse Befindlichkeiten, sondern vielmehr um handfestes wirtschaftliches und politisches Machtgehabe Einzelner oder fanatischer Spinner. 
Die Mehrheit der Menschen im Nahen Osten (genauso wie in der übrigen Welt), sie wollen einfach nur leben. Man sollte aufhören, zu fragen, ob einer ein Muslime, ein Jude oder ein Christ oder sonst was ist - man sollte einfach nur den Menschen sehen. Und dann auf einmal entsteht Sympathie, für diesen einzelnen Menschen. Eine Oase des Wohlwollens, des Verständnisses in der Wüste der Schubladen und Ideologien.

Religion ist die Vorstellung von Menschen, was oder wie Gott sein könnte. Sie ist nichts weiter als ein Modell, um etwas zu begreifen, was für uns nicht begreifbar ist. Eben weil wir nur Menschen sind. Jeder Mensch hat eigene Vorstellungen und Ideen von Gott, daher sind die religiösen Auffassung so mannigfaltig wie wir Menschen selbst. Es gibt weder die einzig wahre Religion noch die einzig wahre Wahrheit über Gott. Wir wissen nichts, wir vermuten - wir GLAUBEN.

Juden, Christen, Muslime, alle glauben an denselben Gott. Jede Religionsgemeinschaft meint, nur sie mache es richtig. Ich selbst fühle mich keiner Glaubensgemeinschaften zugehörig. Ich bin zwar als Christin sozialisiert, aber ich mag auch Facetten anderer Religionen. Und: mein Glaube ist eher still. Das laute Glockengeläut der Kirchen finde ich bisweilen ebenso anmaßend wie das mehrmals tägliche Rufen des Muezzins zum Gebet. Wieso können die Menschen nicht in der Stille Gott danken, in Oasen der Ruhe?

Sicherlich liebt Gott seine Schöpfung und damit auch die Menschen so, wie sie sind. Ist ihm wirklich an Ritualen  gelegen? Oder haben nicht vielmehr die Menschen Rituale entwickelt, um sich damit von ihrer Schuld, ihrem schlechten Gewissen frei zu kaufen?  Für mich besteht die Hingabe zu Gott in tiefer stiller Dankbarkeit für mein, für unser Leben, für das Wunder dieser Welt. Gott mischt sich nicht ein, wie könnte er auch? Schließlich liebt er alle seine Geschöpfe und kann nicht Partei ergreifen. Jeder ist auf seine Art speziell und prächtig, wertvoll.

In Israel habe ich das Wunder der Schöpfung in der Wüste gesehen. Für mich war die Wüste eine Oase der Stille. Selten habe ich die Welt so friedlich und ruhig erlebt wie in der Judäischen Wüste. Ich habe gestaunt über die Farben- und Formfülle der Steine und Felsen der Negev-Wüste. Pflanzen und Tiere, die auf wundersame Weise von nur sporadisch vorkommendem Wasser leben. Die endlos erscheinende Weite beruhigt Augen und Verstand. Die Farben- und Formenpracht macht glücklich. Lädt ein, dankbar und zufrieden zu sein. Und ganz still an Gott zu denken.

Ja, ich werde wieder kommen!
Eure Mo


Samstag, 5. Oktober 2013

Regen

 
 
Vorgestern war wunderschönes Herbstwetter, klar sonnig, einfach traumhaft.  
 
Heute regnet es, ununterbrochen. Es ist dunkel und düster. Ein Grund für schlechte Laune?
Nein, denn es wird nicht so bleiben. Weder das herbstliche Sauwetter noch die Sommersonne bleiben uns erhalten.  Leben auf diesem Planeten bedeutet nun mal steter Wandel. Unser Leben ist nie Stillstand. Im Grunde ist es genau das, was Leben ausmacht, ja es erst ermöglicht: Änderung. Sei es nun das Wetter, die Natur, unser Organismus oder der Ablauf unseres eigenen kleinen Lebens - alles unterliegt einem ständigen, unaufhörlichen Wandel. Leben ist Veränderung.
 
Daher ist das Wesentliche, was man besser früher als später im Leben begreifen sollte, dass sich die Dinge ändern. Es tröpfelt entweder langsam vor sich hin oder stürzt plötzlich auf uns ein. Auf jeden Fall jedoch bleibt nichts so wie es ist. Das ist banal und doch elementar. Wohl dem, der sich flexibel mit den Unwägbarkeiten arrangieren kann, der sich den Gegebenheiten anpasst, anstatt daran zu zerbrechen. Mit Anpassen ist allerdings auf keinen Fall gemeint, Ungerechtigkeiten oder Gemeinheiten hinzunehmen oder sich klein zu machen. Nein, anpassen bedeutet auch zu kämpfen, wenn die Situation es erfordert. Gemeint ist Anpassen im Sinne von sich der Realität stellen und sich nicht der Illusion hinzugeben, alles müsse so bleiben, wie ich es gewohnt bin. Anpassen heißt akzeptieren, dass sich etwas geändert hat und ich mich umstellen muss, indem ich kämpfe, ausharre, neu anfange, mir Lösungswege überlege oder einfach nur genieße und abwarte.
 
Änderungen können ja auch bedeuten, dass sich etwas eher Schlechtes/Unangenehmes zum Guten wendet. Eine Veränderung, die im ersten Moment unwillkommen oder als unbequem betrachtet wird, kann sich als echte Chance mausern. Wir sollten trainieren, Neues, Ungewohntes willkommen zu heißen, anstatt uns davor zu fürchten - auch bzw. ganz besonders - Unannehmlichkeiten und Probleme. Ein Leben ohne Schwierigkeiten gibt es nicht. Wer das erkannt hat, hadert nicht mehr mit einem regnerischen Tag, sondern nutzt ihn für Dinge, die bei Regen Spaß machen (ausschlafen, lesen, aufräumen, putzen, Kuchen backen, mit Regenschirm und Gummistiefel durch Pfützen stapfen...), nur derjenige wird einen schlechten Tag haben und sich beklagen, der den Regen nicht akzeptiert und darauf besteht, leicht bekleidet im Liegestuhl liegen zu wollen.

Vor nicht allzu langer Zeit ist meine Mutter gestorben, ganz unspektakulär. So wie sie gelebt hat, so ist sie gestorben: still und leise. Ihr Tod hat mich durcheinander gebracht. Es hat sich plötzlich etwas geändert, was ich für einen stabilen Zustand gehalten habe. Meine Eltern sind beide ziemlich alt (geworden). Selbstverständlich war mir klar, sie würden irgendwann einmal nicht mehr da sein. Und dann war es doch unfassbar, das es sie einfach nicht mehr gibt. Sie wird mir ganz bestimmt nie wieder aus dem Küchenfenster zuwinken und mich anlachen. Meine Mutter ist tot. Das hat mich aufgerüttelt. Mehr noch als bisher möchte ich ganz bewusst jeden Augenblick des Lebens auskosten.
 
Alles, wirklich alles, ist vergänglich. Auch ich werde nicht ewig auf der Party des Lebens mitfeiern, genauso wie andere mir lieb gewordene Menschen. Ich versuche das zu begreifen, vor allem aber möchte ich es akzeptieren und mich damit arrangieren. Meine Mutter, die Frau, die mir das Leben geschenkt hat, es gibt sie nicht mehr. Für mich ist das eine massive Veränderung. Ich hadere nicht damit.
 
Aber ich bin traurig, trauere um sie und ich vertraue darauf, dass andere Menschen das verstehen. Ich muss nicht so tun, als ob es mir nichts ausmacht. Meine Kinder, Freunde, Bekannte, Kollegen verstehen das und sind mitfühlend, freundlich, hilfsbereit. Das hilft, wärmt.
 
Es gibt auch die Trauer um Menschen, die zwar nicht gestorben sind, uns aber trotzdem verlassen haben. Dies ist dann meistens eine Trauer, die wir mit uns allein ausmachen müssen, weil es eine Trauer ist, die weniger öffentlich stattfindet und sie kann manchmal ebenso sehr schmerzen wie die Trauer um einen Verstorbenen. Nur wird man dann eher selten warm gehalten. Besonders schmerzlich ist es, wenn die Trennung von Streit und bösen Worten begleitet war.
 
Ein Abschied, warum auch immer er sein muss, sollte möglichst im Guten stattfinden, weil die Trauer dann nicht vergiftet ist. Liebevolle Trauer ist eingebettet in schöne Erinnerungen, vergiftete Trauer belastet und lässt uns schwer zur Ruhe kommen.
 
Abschied und Tod, das sind Veränderungen, mit denen wir leben müssen. Sie tun weh. Sie tragen dennoch auch die Möglichkeit auf positive Veränderungen in sich, selbst dann, wenn wir uns das zunächst nicht vorstellen können. Alles ändert sich und alles kann besser werden, wir dürfen uns nur nicht den Veränderungen entgegenstellen. Das kostet unnötig Kraft, die viel besser dafür verwendet werden kann, etwas Neues aufzubauen. Nicht den Fluss des Lebens aufstauen, sondern sich von ihm treiben lassen und darauf vertrauen, dass nach Untiefen oder starken Strömungen,  nach der nächsten Biegung ganz gewiss doch wieder ruhiges Gewässer auf uns wartet.
 
Es regnet noch immer und es ist gut so.
Ich freu mich auf die Sonne, wann immer sie wieder scheinen mag.
 
 

Samstag, 7. September 2013

Die Wanne Traurigkeit auskippen!

Du hast dich geärgert.
Jemand hat dir weh getan, dich verlassen oder gekränkt.
Etwas ist anders verlaufen als erwartet.
Aufgaben und Verpflichtungen scheinen dich aufzufressen.
 
Wenn du traurig bist, trauerst, das Leben rücksichtslos und grausam mit dir umspringt -wie überstehst du das?
Wenn du einsam bist, verlassen, dich ungeliebt fühlst - was baut dich dann wieder auf?
Wie schaffst du es nicht zu verzweifeln, wenn du voller Zweifel bist, man dir den letzten Rest Vertrauen genommen hat?
Wie schöpfst du neuen Mut, wenn alles aussichtslos scheint?

Wer holt dich da wieder raus - wenn nicht du selbst?

Vielleicht hängst du dich vor die Klotze oder surfst im Internet, suchst Trost in Chatrooms oder Foren.
Vielleicht frisst du auch den Kummer in dich rein zusammen mit Chips und Schokolade.
Oder schluckst ihn runter als Kummercocktail mit Wein oder Schnaps.
Oder du beruhigst dich mit Pillen. Tröstest dich vielleicht mit einem neuen Kleid.

Es gibt so viel kleine und große Trösterchen, die aber alle gemeinsam haben, dass sie 1. nicht dauerhaft helfen und 2. oft die Situation noch verschlimmern: zusätzliche Kalorien, ein dicker Kopf, ein leeres Konto...

Es gibt einen ganz einfachen Weg, der 100%ig hilft: Rausgehen. Tief durchatmen. Loslassen.

Immer und überall, auch bei ganz schlechtem Wetter. Draußen sein, sich bewegen, Sonne und Wärme fühlen oder Kälte und Regen spüren. Die Elemente der Natur, sie erden dich. Sie helfen,
entweder weil es schön ist (warm und sonnig) oder weil es ungemütlich ist (kalt und nass). Beides hilft.
Die Bewegung hilft die Anspannung abzubauen. Es ist ein ureigener Reflex jedes höheren Lebewesens, Gefahren davon zu laufen. Stress jeglicher Art nimmt der Körper als Gefahr wahr. Laufen und sich bewegen sind ganz natürliche Ventile, um Druck abzulassen.
Die frische Luft, sich dem Wetter aussetzen klärt obendrein die Gedanken.
Gerüche, Eindrücke machen kreativ, regen die Phantasie an und schaffen somit Raum für neue Perspektiven. Plötzlich ist alles gar nicht mehr so aussichtslos. Man sieht nicht nur den Horizont in der Landschaft, sondern auch wieder Land im Meer der Verzweiflung.

Das Problem hat sich sicher nicht urplötzlich aufgelöst nur wegen eines Dauerlaufs im Dauerregen.  Aber du hast ihm die Macht über deine Gefühle und Gedanken genommen. Du hast wieder die Kontrolle. Die Macht der Traurigkeit, der Einsamkeit, oder des Ärgers hat nachgelassen, ist verpufft. Kraft und neuer Mut haben sich durchgesetzt. Die Wanne Elend ist zum Kummer-Tropfen geschrumpft.

Irgendwas hat dich verletzt, irgendwer war böse, ungerecht, gemein zu dir, aber draußen im Wald oder Feld (alternativ der Stadtpark) erscheint das auf einmal gar nicht mehr so tragisch. Der Duft von Bäumen, Wind oder Wasser haben deine Gedanken gereinigt. Der Anblick von Tieren, Pflanzen oder freundlichen Mitmenschen haben dich abgelenkt und daran erinnert, dass das Leben zu viele Facetten hat, um sich von einer einzigen aus der Bahn werfen zu lassen.

Nach draußen gehen hilft, das Problem aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, Abstand zu gewinnen, sich abzulenken, zu vergessen, um dann später das Übel gelassener anzugehen.

An der frischen Luft bewegen hilft immer! Versprochen. Ich hab es oft genug ausprobiert.

Eure Mo.

Sonntag, 18. August 2013


Eine Ode an das Leben

Jedes einzelne Leben ist einzigartig und daher unendlich wertvoll.
Selbst wenn man aus religiösen Gründen an eine Wiedergeburt glaubt, so muss man doch einsehen, dass dieses jetzige Leben irreversibel ist - in allen seinen Facetten und Möglichkeiten. Es ist einmalig.
Jedes Lebewesen, jeder Mensch ist einmalig und kostbar.

Der Tod/das Beenden des Lebens ist unwiderruflich, endgültig, durch nichts und niemanden umkehrbar.
Erst wenn man sich dessen bewusst wird, kann man ermessen, welches Glück darin besteht, leben zu dürfen. Und erst recht, wenn man mit einem funktionsfähigen, gesunden Körper ausgestattet ist.
Allein das ist Grund genug, glücklich zu sein. Denn das ist keineswegs selbstverständlich. Die Natur  kennt viele Variationen, Spielarten, die dann ggf. Behinderungen mit sich bringen und das alltägliche Leben, so wie es sich die Mehrheit der Menschen eingerichtet hat, erschweren.

Aber selbst ein Mensch mit Behinderung kann sich dankbar schätzen, dass er „dabei“ sein darf. Die Natur hat ihn nicht mit seinem Handicap "gestraft". Es ist vielmehr Zufall, eine Spielerei der Natur, dass bestimmte Funktionen anders als gewohnt ablaufen oder gar fehlen. Das Leben bzw. die Natur, sie probiert, testet ständig Neues aus. Ob dabei ein Gewinn, ein Vorteil oder eher ein schwerwiegender Nachteil für das betreffende Individuum entsteht, ist der Natur erst einmal egal. In der langen Abfolge der Evolution zählt nicht das einzelne Ergebnis, sondern vielmehr die Summe all dessen, was war und was noch entsteht. Ständige Anpassung und Experimente führen zu immer mehr Vollendung, die erst Jahre vielleicht Jahrhundert oder Jahrtausende Jahre später in Erscheinung tritt.

Menschen wie Stephen Hawking, die man vielleicht auf den ersten Blick für lebensunfähig halten möchte, gar bemitleidet, halten an ihrem Leben fest und bringen uns weiter mit ihrer Arbeit und ihren Erkenntnissen, vor allem aber mit ihrer Lebensbejahung.

Es ist für jeden eine Gnade Leben zu dürfen.

Erst recht für Menschen, die gesund sind, die am "normalen" Leben teilhaben können, sollte es Grund genug sein, jeden Augenblick zu genießen, dankbar zu sein. Dazu gehört, seinen Körper zu pflegen, ihn zu achten, auf ihn zu "hören", ihm zuzuhören. Jede Unachtsamkeit, jede Verschwendung von Zeit, jeder Ärger und jede Hast ist Undankbarkeit gegenüber dem kostbaren Geschenk leben zu dürfen.
Verzweiflung, Suizidgedanken, Hass all diese Gefühle können nur dann gedeihen, wenn man vergisst, wie einzigartig, wie zufällig, wie kostbar die Entstehung von Leben ist.
Und machen wir uns nicht oft selbst das Leben am schwersten? Mit bösen Gedanken, Neid, Eifersucht, Habgier und Zweifeln?
Es gibt prinzipiell keinen Grund unzufrieden zu sein. Es besteht immer die Möglichkeit, etwas zu ändern. Und sei es nur ein klitzekleiner Tropfen im Ozean der Unwägbarkeiten. Jeder Wille, es besser zu machen, zählt.

Es gibt keine Menschen, die keine Probleme haben, die nicht kämpfen müssen. Jeder hat „sein Päckchen zu tragen“. Jeder. Keiner bleibt von Unannehmlichkeiten verschont. Wenn man genau  hinschaut, dann gibt es weder grenzenloses Glück noch grenzenloses Leid. Alles ist einem steten Wandel unterzogen, wem heute die Sonne scheint, der muss vielleicht morgen schon Holz für einen kalten Winter besorgen. Und wo es lange trüb und dunkel war, da bricht auf einmal ganz unerwartet der Himmel auf.


Immer wieder dankbar sein und achtsam, d.h. glückliche Umstände erkennen und schöne Momente genießen. Jetzt scheint die Sonne und scheint sie nicht, dann gibt es vielleicht einen Regenbogen zu bestaunen oder das Glitzern von Schneekristallen. Das Universum ist unendlich groß und es mag sein, dass wir die Einzigen sind, die leben dürfen – auch wenn unser kleines Leben nur ein Tropfen ist im Ozean der Zeit. Aber auch dies sollte uns nicht hadern lassen. Denn erst das Bewusstsein, von Endlichkeit treibt uns an. Wer würde sein Haus in Ordnung halten, wenn er dies auch noch in 300 Jahren machen könnte? Wir könnten keine Kinder und somit keinen Sex haben, wenn wir ewig leben müssten.
Nur weil wir vergänglich sind, gibt es Entwicklung,  Fortschritt, Neues. Eine statische Existenz ohne Wandel wäre langweilig, ja grausam eintönig. Erst das Sterben, der Tod ermöglicht  das Leben, denn Leben ist Bewegung, Wandel.
Wir haben die einzigartige Chance in einer wunderbaren Welt zu leben, an die wir seit tausenden von Jahren angepasst wurden - durch Ausprobieren - und es haben diejenigen unserer Ahnen überlebt, die sich am besten anpassen konnten an Klima, Nahrung, Krankheiten und an das Miteinander mit anderen Menschen.

Wir alle gehören zu den Siegern und können uns jeden Tag darüber freuen!